Vom Smartphone bis zum "KI-Seepferdchen": Neue Empfehlungen für den digitalen Schulalltag

Die Unabhängige Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" hat am 24. Juni 2026 insgesamt 56 Handlungsempfehlungen vorgelegt. Ihr Leitgedanke verbindet Schutz vor digitalen Risiken mit Befähigung und Teilhabe. Für Schulen enthält der 115-seitige Katalog mehrere weitreichende Vorschläge, die ausdrücklich als Empfehlungen zu verstehen sind. Sie sind weder unmittelbar geltendes Recht noch bereits bundesweit eingeführte Programme.

Besondere Aufmerksamkeit erhält das vorgeschlagene "KI-Seepferdchen". Nach Vorstellung der Kommission soll zunächst für das Grundschulalter ein verpflichtendes, online erwerbbares und kindgerecht gestaltetes Zertifikat entstehen. Es soll ein Grundverständnis für Chancen und Gefahren von KI vermitteln. Ein zentraler Anschubservice des Bundes soll die Einführung unterstützen; die weitere Vermittlung wäre Aufgabe der Bildungseinrichtungen der Länder.

Für die Sekundarstufen empfiehlt die Kommission, Algorithmen- und KI-Kompetenz fachübergreifend und fachspezifisch in Lehrplänen zu verankern. Dazu zählt sie geeignete Infrastruktur, didaktisch tragfähige Werkzeuge, einen Ausbau des Informatikunterrichts und umfassende Fortbildungen für Lehrkräfte. Jede Schule soll zudem über mindestens eine medienpädagogisch qualifizierte Ansprechperson für Anliegen wie Cybermobbing, problematische Kontakte oder verstörende Inhalte verfügen.
Auch die private Gerätenutzung wird adressiert. Bis einschließlich Jahrgangsstufe sieben empfiehlt die Kommission ein bundesweit einheitliches Verbot privater digitaler Endgeräte im Unterricht, in außerunterrichtlichen Angeboten und in Pausen. Ab Klasse acht sollen Schulen gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern verbindliche Nutzungskonzepte entwickeln. Zuständig für schulrechtliche Regelungen wären die Länder.

Der Katalog richtet sich nicht nur an Schulen. Er verteilt Verantwortung auf Bund, Länder, Kommunen, Familien, Jugendhilfe, Wissenschaft und Plattformanbieter. Die Empfehlungen sollen nach Angaben des Ministeriums eine Grundlage für eine Gesamtstrategie der Bundesregierung bilden. Erst deren Ausarbeitung und gegebenenfalls notwendige Gesetzesänderungen würden aus einzelnen Vorschlägen verbindliche Maßnahmen machen.
Für Bildungsverwaltung und Schulträger liegt die Bedeutung des Berichts vor allem in der Verbindung von Lehrplänen, Personal, Beratung, Prävention und technischer Infrastruktur. Bildungswirtschaft und Fortbildungsanbieter müssten ihre Angebote stärker an Altersstufen, Datenschutz, Medienpädagogik und nachweisbare didaktische Qualität ausrichten.

Quellen:
Bundesbildungs- und Familienministerium: Expertenkommission veröffentlicht Handlungsempfehlungen
Abschlussbericht der Expertenkommission